kinderfreundliche Stadt


„Kinder sehen die Stadt mit anderen Augen. Ihre Perspektive brauchen wir, weil wir Erwachsenen gern vergessen,

dass wir selbst einmal Kinder waren!”

Frank Steffen, Bürgermeister von Beeskow

So entstand die Idee kinderfreundliche Stadt zu werden

Alte Schusterwerkstatt, Foto: Jörn Tornow/MOZ

Im November 2019 stellte die Stadtverwaltung den Mitgliedern des Bauausschusses die Pläne für die ehemalige Schusterwerkstatt Richtsteig in der Mauerstraße vor. Ursprünglich sollte die Werkstatt abgerissen werden, die neuen Pläne sahen aber nun den Erhalt des Gebäudes und eine originalgetreue Einrichtung vor. Für die Außenanlage waren eine Bank und ein Trampolin geplant. Doch gegen das Trampolin formierte sich Widerstand. “Die Kinder können doch auf den Spielplatz gehen”, hieß es. Das Sportgerät wurde vom Bauausschuss abgelehnt. Dieses Vorgehen ärgerte die Stadtverordnete Rosemarie Jurisch sehr: “Ich war richtig sauer, denn die Interessen von Kindern und Jugendlichen haben einfach keine Rolle gespielt”, erinnert sich die Politikerin. Sie beschloss, das Thema Kinderfreundlichkeit in Beeskow größer aufzuziehen, suchte sich Unterstützer:innen, recherchierte und stieß so auf das Programm “Kinderfreundliche Kommunen”. Im Juni 2020 dann der erste große Erfolg: Die Stadtverordnetenversammlung beschloss einstimmig die Aufnahme in das Vorhaben und Beeskows Reise zu noch mehr Kinderfreundlichkeit konnte beginnen.

So funktioniert das Unicef-Programm “Kinderfreundliche Kommunen”

Der Auftrag des Programms “Kinderfreundliche Kommunen” ist die konsequente Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention auf kommunaler Ebene. Das Ziel ist,
Kommunen, wie Beeskow, bundesweit zu unterstützen, ihre kommunalen Angebote, Planungen und Strukturen im Sinne der Kinderrechte zu verbessern und die
UN-Kinderrechtskonvention bekannter zu machen. Das Vorhaben erfolgt auf der Grundlage internationaler Standards von UNICEF. Kommunen, welche das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten möchten, durchlaufen ein festgelegtes, aber gleichermaßen individuell an sie angepasstes Programm und müssen darin auf diese Standards hinarbeiten. Unter Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen entwickeln die Kommunen einen Aktionsplan mit verbindlichen Maßnahmen, für den sie das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten. Viele Städte und Gemeinden haben sich schon auf den Weg gemacht. Sie haben erkannt, dass die Einbeziehung junger Menschen in die Gemeindeentwicklung Schlüsselfaktor für eine kinderfreundliche Entwicklung und damit ein attraktiver Standortfaktor geworden ist. Wenn Sie mehr zu den Bausteinen der Kinderfreundlichen Kommune erfahren möchten, klicken Sie  hier.

Das wurde in Beeskow schon erreicht

Seit März 2021 arbeiten wir konsequent daran, Kinderrechte noch stärker in Politik, Verwaltung und im öffentlichen Leben Beeskows zu verankern und Kinder und
Jugendliche bei Themen, die sie betreffen, zu beteiligen. Das haben wir bis jetzt schon erreicht:

  • Mai 2022
    1. Bürgerbudget Beeskow 2022: Kinder- und Jugendjury wählt die Gewinner-Ideen
    2. Beteiligungsprojekt "Spielplatz am Luchgraben": 177 Beeskower Kinder haben für ihren Favoriten abgestimmt
    3. Workshop und Austausch zum Thema Kinder- und Jugendbeteiligung mit den Nachbargemeinden Friedland, Rietz-Neuendorf und Tauche
  • April 2022:
    1. Ausbau des Netzwerkes durch gemeinsame Ideenentwicklung und Austausch mit der Stadt Storkow (Brandenburg) 
    2. Übernahme einer Patenschaft für Stadt Bernau (Brandenburg), Begleitung und Mentoring auf Bernaus Weg zur kinderfreundlichen Stadt
    3. Eröffnung des Sandkastens auf dem Marktplatz
    4. Workshop mit pädagogischen Fachkräften zum Thema "Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Beeskow"
    5. Graffiti-Workshop vom Pier13: u.a. Verschönerung der Kinderrechte-Wand in der Nähe von REWE und des Bauwagens
  • März 2022:
    1. Siegelübergabe an die Stadt Beeskow
    2. Podcast-Projekt an der Grundschule der Stadtmauer zum Kinderrecht "Privatsphäre" in Kooperation mit der Bundeszentrale für Politische Bildung
    3. Theater-Workshop zum Kinderrecht "Identität" am Rouanet-Gymnasium mit Burgerschreiber:in Mae Schwinghammer
    4. Klimastreik am 25.3.2022 verbunden mit der Pflanzaktion "Beeskow grünt und blüht"
  • Januar/Februar 2022:
    Am Rouanet-Gymnasium und an der Grundschule an der Stadtmauer werden die Schüler:innen verschiedener Klassen bei Projekttagen/Projektstunden zum Thema Kinderrechte fit gemacht.
  • Dezember 2021:
    Deine Hand für Kinderrechte: Kinderrechte werden auf Privatwände in Beeskow gesprayt und alle Kinder und Erwachsnenen sind eingeladen, ihre Hand
    blau anzumalen und auf den Wänden abzudrücken.
  • November 2021:
    Zum Tag der Kinderrechte gestalten Schüler:innen der Beeskower Grundschule an der Stadtmauer ein Schaufenster in Beeskows Innenstadt
  • Oktober 2021:
    Spielaktion auf dem Marktplatz zur Interkulturellen Woche
  • September 2021:
    Gemeinsame Protest-Aktion mit dem Klimarat des Rouanet-Gymnasium Beeskows “Friday for Future / Familienfest/ Schulung der Verwaltungsmitarbeiter:innen zum Thema Kinderrechte
  • August 2021:
    Mehrere Workshops und Diskussionsrunden mit vielen Beeskower Akteuren zu den Maßnahmen “Kinderfreundliche Kommune Beeskow”
  • Juli 2021:
    1. Piratenfest im Strandbad
    2. Aufstellen des größten Sandkasten Beeskows auf dem Marktplatz
  • Juni 2021:
    Regelmäßige Beteiligung der Kinder bei der Umsetzung der Ideen des Bürgerbudgets 2021
  • Mai 2021:
    Große Straßenspiel- Aktion zum Weltspieletag
  • April 2021:
    Kick-off des ersten Beeskower Bürgerbudgets mit einer eigenen Kinder und Jugendjury

An diesen Themen arbeiten wir aktuell

Von den 20 Maßnahmen (hier zum Nachlesen), die Beeskow zur Kinderfreundlichen Stadt umsetzen will, werden aktuell bereits elf bearbeitet. 

  1. Kinderarmut analysieren: In einem ersten Treffen der Arbeitsgruppe wurde diskutiert, was Kinderarmut bedeutet und wie konkret Zahlen und Daten für den Raum Beeskow ermittelt werden können. In einem zweiten Treffen wurde gemeinsam mit Maxie Wollschläger, Bildungs-Managerin Landkreis Oder-Spree und Jana Kupetz, Monitorin Sozialplanung Landkreis Oder-Spree erarbeitet, die Daten zur Kinderarmutsquote und zu den Schuleingangsuntersuchungen aufzubereiten. Ende Mai 2022 soll es dazu erste Ergebnisse geben.
  2. Klima- und Begrünungsprojekte schaffen: Zum weltweiten Klimastreik am 25. März unterstützte die Stadt Beeskow den Klimarat des Rouanet-Gymnasiums mit einer Pflanzaktion "Beeskow grünt und blüht". Dazu wurden Seed-Bombs gebastelt und in der Stadt verteilt. 
  3. Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche installieren: In allen Workshops und Runden des Austauschs ist das Thema präsent und wird regelmäßig diskutiert und von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. 
  4. Entwicklung eines Beteiligungsformats: Das Mitmach-Format "Pizza und Politik" (jeden ersten Mittwoch im Monat) erfreut sich großer Beliebtheit. Bei der letzten Runde am 6. April waren 21 Kinder aller vier Beeskower Schulen dabei. Das nächste Treffen Pizza und Politik findet am 4. Mai 2022 statt. Auf Wunsch der Kinder und Jugendlichen, wird es am 4. Mai keine Pizza geben, sondern asiatische Küche. Ihr wollt dabei sein? Gerne! Meldet euch via WhatsApp am besten gleich mit eurem Essenswunsch bei Karolin Ring 0176 62996260 an.
  5. Sicherstellung eines transparenten Arbeitsprozesses: Mit der Präsenz auf beeskow.de haben wir eine Plattform geschaffen, auf der alle eingeladen sind, sich über den aktuellen Stand zu informieren und sich jederzeit zu beteiligen. Zusätzlich haben wir uns vorgenommen, dass Thema Kinderrechte noch stärker in bestehende Netzwerke einzubringen. Dazu soll es mit Jeannette Gruner, Regionalmanagerin der lokalen Aktionsgruppe Oderland, am 3. Mai 2022 einen Workshop geben, in dem sich alle kommunalen Vertreter:innen des oderländlichen Raumes zum Thema Kinder- und Jugendbeteiligung austauschen. 
  6. Kinderrechte in Verwaltung und Politik bringen/Beteiligungs-Strategie entwickeln: In einem Workshop im Februar zum Thema Partizipation wurden durch Barbara Buhrke und Karolin Ring Stadtverordnete und Verwaltungsmitarbeiter:innen für das Thema sensibilisiert. Es konnten gemeinsam erste Wünsche, Methoden aber auch Bedenken und Grenzen der Beteiligung besprochen werden. Um einen Leitfaden für ein kommunales Beteiligungskonzept zu erarbeiten, wurden in einem nächsten Schritt im April die pädagogischen Fachkräfte Beeskows dazu abgeholt. Im Juni 2022 steht ein Beteiligungs-Workshop mit Kindern und Jugendlichen auf dem Programm.
  7. Kinderrechte in die Schulen/Kitas bringen: An der Grundschule an der Stadtmauer und am Rouanet-Gymnasium wurden bereits Impulsworkshops rund um das Thema Kinderrechte durchgeführt. Immer wieder ermöglichen die Schulleitungen, dass Stunden, in denen Unterricht ausfällt, dafür genutzt werden können, mit den Kindern und Jugendlichen zum Thema Kinderrechte zu arbeiten. 
  8. Fortbildung Partizipation und Kinderrechte: Unser Ziel ist es, dass nach und nach alle Kinder und Jugendlichen, aber auch alle Erwachsen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, fit gemacht werden in Sachen Partizipation und Kinderrechte. Es hat bereits eine Schulung der Schülersprecher:innen an der Grundschule der Stadtmauer gegeben, ein Workshop mit den Lehrer:innen und den Horterzieher:innen ist im August geplant. 
  9. Kinder- und Jugendredaktion: Am Rouanet-Gymnasium hat sich eine kleine Redaktion gegründet, die sich vorgenommen hat, aktuelle Events für Beeskow als Instagram-Posts zu gestalten und zu veröffentlichen. Der Instagramaccount heißt beeskowevents. Gleichzeitig recherchieren wir aktuell, wie wir eine Jugendredaktion personell, aber auch finanziell auf die Beine stellen können. Dazu verschaffen wir uns gerade einen Überblick über die Förderprogramme und gehen in den Austausch mit Journalist:innen.
  10. Kinderrechte bekannter machen: Die Berliner Illustratorin Julia Depis hat Beeskows 20 Maßnahmen auf dem Weg zur Kinderfreundlichen Kommune liebevoll und originell illustriert. Kinder und Erwachsene können jetzt auf einen Blick überschauen, was in Beeskow in den nächsten Jahren passieren soll. Das Bild wurde auf Folie gezogen, an vier Standorten in Beeskow u.a. auf dem Marktplatz auf bestehende Aufsteller geklebt und lädt zum Entdecken ein. 
  11. Kinderrechte feiern: Wir nutzen jede Gelegenheit das Thema Kinderrechte mit Spaß und tollen Erlebnissen zu verbinden. Nach der großartigen Blaue-Hand-Aktion im Dezember soll der Weltspieltag am 29. Mai mit Beeskows erstem Papierfliegerturnier gefeiert werden. Beim Piratenfest am 11. Juni konnten sich die Kids mit ihren Ideen beteiligen. Aktuell wird geprüft, welche Ideen sich umsetzen lassen. 
  • Sie wollen sich mit eigenen Ideen in den Prozess Kinderfreundliche Stadt einbringen? Sehr gerne! Karolin Ring freut sich über Ihren Anruf oder Ihre Mail.

Und für alle Kids: Nutzt eure Chance und macht Beeskow zu eurem Lieblingsort. Was wünscht ihr euch für eure Heimatstadt? Was läuft schon gut? Wo ist noch Luft nach
oben? Beteiligt euch und macht mit! Wie genau ihr mitmischen könnt, erfahrt ihr hier.

So könnt ihr mitmachen

Die Ideen einer kinderfreundlichen Stadt können noch so toll sein, wenn es keine Kinder und Jugendliche gibt, die sie leben. Deshalb brauchen wir euch! Was wünscht
ihr euch für eure Heimatstadt Beeskow? Was läuft schon gut? Wo ist noch Luft nach oben? Welche Ideen habt ihr, um Beeskow aktiv mitzugestalten?

Um diese Fragen zu diskutieren, treffen wir uns immer am ersten Mittwoch im Monat (außer in den Ferien) um 15.30 Uhr in der Bibliothek Beeskow. Bei “Pizza und Politik” (ihr dürft sogar eure Lieblingspizza bestellen) sind Kinder und Jugendliche aller vier Beeskower Schulen eingeladen, ihre Interessen zu vertreten und sich bei Themen, die sie betreffen, mitzusprechen. Hier findet ihr den Flyer und alle Infos zum Mitmachen.

Beeskows Aktionsplan mit allen Maßnahmen

Auf Grundlage der 37 Empfehlungen, die vom Verein “Kinderfreundliche Kommunen” gemeinsam mit den Sachverständigen erarbeitet wurden, erstellten Beeskower
Akteure aus Politik, Verwaltung, Schule, Kindergarten, Einrichtungen wie Familienzentrum, Kirche oder Bibliothek, sowie Kinder und Jugendliche eine eigene
Prioritätenliste, in der sie alle 37 Vorschläge für sich nach Relevanz und Realisierbarkeit gewichteten. Mit dem so entstandenen Ranking ging es im August
2021 in den Zielfindungsworkshop, bei dem die Maßnahmen mit den meisten Punkten noch einmal diskutiert und für den Aktionsplan festgelegt wurden. Da es bei einigen
Empfehlungen noch Diskussionsbedarf gab, wurde anschließend vier Wochen lang in Kleingruppen jede einzelne Maßnahme unter Einsatz des Zielsystems verdichtet und
definiert. Nach Fertigstellung wurde der Aktionsplan an alle Akteure geschickt, mit der Bitte um kritisches Lesen und dem Aufruf sich mit seiner Meinung oder weiteren Ideen und Hinweisen einzubringen. Der Aktionsplan wurde zudem beim Kinder- und Jugendstammtisch “Pizza und Politik” diskutiert. Das gesammelte Feedback wurde
bestmöglich in den Aktionsplan eingearbeitet.

Lesen Sie hier den kompletten Aktionsplan und verschaffen Sie sich einen Überblick über Beeskows Ziele.